Ein Jahrhundert Fußball-Kult
Die Wiener Austria ist ein Traditionsverein – und nach ihrem Erzrivalen Rapid Wien der wohl erfolgreichste Klub in Österreich.
Jahrhundert-Fußballer und Austria-Ikone Herbert Prohaska.
Die „Veilchen“ waren bisher 23 Mal österreichischer Meister und 27 Mal ÖFB-Cupsieger. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelang dem Team mit Wunderstürmer Matthias Sindelar, das 1933 den Mitropapokal gewann, den Vorläuferwettbewerb des Europacup.
Der Verein wurde am 29. Oktober 1910 von Ex-Spielern des Vienna Cricket and Football-Club als „Wiener Amateur Sportverein“ gegründet. Ursprünglich war der Klub in Ober Sankt Veit zu Hause. Doch die Austria verlor 1930 aus finanziellen Gründen ihr Heimstadion. Nach mehreren wechselnden Heimstätten ist sie seit 1973 in Favoriten.
Legendäres Scheiberlspiel
In den 1970ern spielte die Austria den schönsten Fußball. Den eleganten Spielstil, auch Scheiberlspiel genannt, verdankte sie ihrem großen Regisseur Herbert Prohaska. Die Austria-Ikone wäre vermutlich nie am Verteilerkreis gelandet, hätten Rapids Unterhändler das Simmeringer Jahrhundert-Talent nicht so von oben herab behandelt und den Herbert mit der wilden Frisur versehentlich mit Pauli angeredet. Das behaupten zumindest Peter Klöbl und Wolfgang Winheim im brandaktuellen Jubiläumsbuchs „100 Jahre Austria“.
Höhen und Tiefen
Die Austria hatte immer besondere Fußballer in ihren Reihen: die Sara-Brüder, Friedl Koncilia, Thomas Parits, Ernst Baumeister, Gerhard Steinkogler und Andi Ogris, Toni Polster und Ivica Vastic.
Zwischen1999 und 2008 war der Magna-Konzern des Austrokanadiers und Milliardärs Frank Stronach Betriebsführer. Größte Errungenschaft dieser turbulenten Ära (13 Trainer in knapp zehn Jahren) war die Austria-Akademie. Damit setzt man am Verteilerkreis wieder auf den eigenen Nachwuchs. 2009 wurde das FK Austria Wien Museum eröffnet. Zu sehen sind Trophäen, Prunkstücke von Ex-Spielern und treuen Fans, welche die Tradition des Klubs unterstreichen.
Heute ist die Austria wieder auf dem Weg zu alter Stärke. Das Team um Zlatko Junuzović spielt einen gepflegten Fußball. Hauptverantwortlich dafür ist vor allem General Manager Thomas Parits, der unbeirrbar einen Weg der Verjüngung geht und zahlreiche österreichische Talente nach Favoriten geholt hat.
Gepflegte Feindschaft
Legendär und beidseitig gepflegte Tradition ist die „Feindschaft“ zu Rapid. Bislang gab es rund 400 Spiele zwischen den beiden Wiener Großklubs. Damit ist das Wiener Derby (gesprochen: Daarbi) das am zweitmeisten gespielte Fußballderby Europas – nach dem Old Firm zwischen Celtic Glasgow und Glasgow Rangers.