Das Leben – meine Bühne
Bühnenluft schnuppern macht auch in einer kleinen Theatergruppe Spaß, hält jung und steigert das Selbstbewusstsein.
Helga Schwaiger (hinten rechts) mit ihrer Theater-Gruppe.
Zwei Frauen, eine Leidenschaft. Helga Schwaiger und Helene Schmidt-Levar können sich ihr Leben ohne das Theater und die Schauspielerei nicht vorstellen. Schwaiger ist als Schauspielerin und Trainerin aktiv, Schmidt-Levar singt und betreibt ein kleines Kellertheater im 3. Bezirk. Bei Kaffee und Kuchen wird klar, dass ihr Leben ohne das Theater unvorstellbar wäre. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Helga Schwaiger: „Man braucht viel Idealismus und Freude an dem, was man tut. Aber Geld alleine macht eben nicht glücklich.“
Buchhaltung statt Theater?
Helga Schwaiger arbeitete nach der Handelsschule in einem Büro. Am Abend schlüpfte sie fast täglich im Theater in eine neue Rolle. „Das ist doch das Schönste am Schauspielern. Man kann sich völlig anders geben, als man ist. Und dann vielleicht auch mal dem Chef eine Rolle vorspielen, statt fluchend am Schreibtisch zu sitzen.“ Ihre Eltern waren gegen die Schauspielausbildung und das Studium der Theaterwissenschaft und der Völkerkunde – das sie trotzdem abschloss. Die Kunst wurde ihr Beruf: schreiben, Regie führen, malen und Theater spielen.
Ihr Wissen gibt sie im Rahmen von Volkshochschulkursen auch an interessierte SeniorInnen weiter. Das „Erste Wiener Senioren Theater“ hatte 2004 seine Premiere. Gespielt wurde das Stück „Geflüster“, eine Boulevard-Komödie von Helga Schwaiger. „Ich schreibe aber nicht nur selbst, ich bearbeite auch die Stücke für die Zwecke des ,Senioren Theaters‘. Schließlich sollen ja alle eine Rolle bekommen. Und das Stück sollte nicht länger als eineinhalb Stunden dauern.“ Ihre Tipps für ambitionierte LaiInnen: Nie dem Publikum den Rücken zudrehen, viel mit Gesten und pantomimisch arbeiten und sich auf die Rolle konzentrieren.
Schauspiel ist überall
Dass die Schauspielerei nicht unbedingt eine große Bühne und viel Publikum benötigt, zeigte sich beim Besuch im Wiener Kellertheater. Vier SchülerInnen von Helga Schwaiger trafen einander zwar nur für einen Fototermin, ihr schauspielerisches Talent ließ sich aber trotzdem nicht zähmen. Kaum entdeckten sie das Klavier, stimmten sie auch schon ein Wienerlied an. Und aus den Requisiten der letzten Aufführung wurde sofort eine spontane Szene entwickelt. Inzwischen erzählte Helene Schmidt-Levar, Juristin und Chefin des Wiener Kellertheaters, wie sie zum Theater gekommen war: „Ich war schon während der Schulzeit in eine Theatergruppe eingebunden. Neben dem Studium der Rechtswissenschaften ließ ich mich zur Schauspielerin ausbilden und legte auch die Bühnenreifeprüfung ab.“
Die Juristin singt in zwei Chören und organisiert im Kellertheater drei bis vier Aufführungen pro Monat. „Ich habe einen hohen künstlerischen Anspruch. Und ich will, dass sich die Aufführungen finanziell selbst tragen.“ Auf der kleinen Bühne des Kellertheaters war inzwischen ein Handgemenge um einen Sitzpolster entbrannt und Gertraud Hubatsch begleitete die Szene lautstark am Klavier. Die flotte Mittsiebzigerin gibt regelmäßig Operetten- und Wienerlieder-Vorstellungen. Ihre Kollegin, Agnes Thinschmidt, tritt mit auf. Nebenher schreibt sie LeserInnenbriefe – und für die Schauspielerei ist in der Pension auch endlich genug Zeit.
Leute treffen, lachen, lernen
Die Gründe für die Beteiligung am „Ersten Wiener Senioren Theater“ sind vielfältig. Christine Laschalt hatte früher kein sonderliches Interesse am Theater. Dann lernte sie ihren Freund kennen. „Er schleppte mich zwei, drei Mal pro Woche ins Theater. Und dann wollte ich irgendwann mal selbst ausprobieren, wie sich die Bühne anfühlt.“
Anders Ernst Stubenvoll: Schon als Jugendlicher spielte er am Stadttheater Baden als Statist. Dann kamen auch kleine Sprechrollen dazu. Im Gloria Theater spielte er Zither und beim Heurigen unterhielt er mit dem Zither-Club die Gäste. „Ich wollte immer lieber der Kasperl sein. Ernsthafte Rollen liegen mir nicht ganz so sehr.“
So unterschiedlich die Mitglieder des „Senioren Theaters“ sind – eines haben sie alle gemeinsam: Ausstrahlung, Selbstbewusstsein und Persönlichkeit. Schwaiger: „Theaterspielen verändert die Menschen. Man wundert sich oft selbst, was man alles kann. Man lernt, selbstbewusst aufzutreten, aufrecht zu gehen und sein Gegenüber sensibler wahrzunehmen.“
Helga Schwaiger:
Telefon 0699/14 89 18 62,
http://helgaschwaiger.net
Wiener Kellertheater:
3., Hegergasse 9