Helfendes Händchen
Der gebürtige Kärntner Manfred Kandler lebt seit rund 20 Jahren in der Josefstadt und fühlt sich mit „seinem Bezirk“ eng verbunden. So eng, dass der 70-jährige Pensionist das Bezirksmuseum tatkräftig unterstützt. „Leben & Freude“ hat ihn besucht.
Manfred Kandler an seinem Arbeitsplatz, dem Bezirksmuseum Josefstadt.
Leben & Freude: Seit wann arbeiten Sie ehrenamtlich hier im Bezirksmuseum der Josefstadt?
Manfred Kandler: Seit 20 Jahren wohne ich mit meiner Frau, einer echten Josefstädterin, im Achten. Im Bezirksmuseum helfe ich seit etwa 2,5 Jahren mit.
Wie hat sich das ergeben?
Wenn man als Nicht-Wiener in einem Wiener Bezirk lebt, beginnt man, sich für diesen zu interessieren. Es ist ein lebendiger Stadtteil, viele wichtige Persönlichkeiten haben hier gelebt und gewirkt. Ich wollte mehr über die Josefstadt erfahren und gleichzeitig dem Bezirk etwas zurückgeben.
Also ist das Interesse an der Geschichte des Bezirks der Motivationsgrund für diese ehrenamtliche Tätigkeit?
Ja, absolut. Ich lerne gerne noch etwas dazu, forsche für mein Leben gerne. Was man hier bei den Ausstellungsvorbereitungen mitnimmt, ist fantastisch.
Was ist Ihre Aufgabe?
Ich arbeite bei den unterschiedlichsten Projekten mit. So gibt es beispielsweise Jahresthemen aller Wiener Bezirksmuseen, aber auch spezifische Schwerpunkte hier in der Josefstadt. Ich helfe bei der Ausstellungsvorbereitung, organisiere Materialien, kümmere mich auch um die Bibliothek.
Wie viel Zeit nimmt diese neue Arbeit in Anspruch?
Es kann schon passieren, dass ich fast jeden Tag hier vor Ort bin. Vor allem wenn es kurz vor der Eröffnung einer neuen Schau ist, ist es zeitintensiv. Aber ich mache das sehr gerne. Ich gestalte dann die Vitrinen, kaufe Gegenstände an und natürlich recherchiere ich auch. Das kommt wahrscheinlich von meinem früheren Beruf: Ich war Archäologe, das lässt einen nicht mehr los.
Können Sie sich die Zeit frei einteilen?
Wie erwähnt, manchmal bin ich jeden Tag da, es gibt aber auch Zeiten, wo weniger los ist. Außerdem sind wir ein Team von rund zehn Ehrenamtlichen. Da hilft einer dem anderen.
Und wer besucht das Bezirksmuseum?
Wir haben zwei Mal pro Woche geöffnet. In erster Linie kommen Josefstädterinnen und Josefstädter vorbei. Aber auch Leute aus Übersee zum Beispiel, Ex-Josefstädterinnen und Ex-Josefstädter, die sich anschauen wollen, was aus ihrem Bezirk geworden ist.
Was macht Ihnen Spaß an der Arbeit bzw. wie kann man Menschen dazu motivieren, in ihrer Freizeit oder Pension eine ähnliche Tätigkeit auszuüben?
Es ist eine vielfältige Arbeit. Das macht Spaß. Man lernt Neues und gibt gleichzeitig seinem Bezirk etwas zurück. Die Bezirksmuseen in Wien freuen sich sicher über neue, engagierte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bei uns hier im Achten kümmert sich Frau Maria Ettl um das Museum. Und ich muss sagen, dass sie das wirklich sehr lobenswert macht. Helfende Hände kann sie immer brauchen.
Es kommt aber immer auf die innere Einstellung jeder bzw. jedes Einzelnen an. Wichtig ist: „Ich möchte etwas machen.“ Wenn man willens ist, seine Arbeitskraft der Gemeinschaft zu widmen, kann man in so vielen Richtungen im Ehrenamt tätig werden.