Fernsehen selbst gemacht
Seit mittlerweile fünf Jahren besteht der Wiener Fernsehsender Okto. "Leben & Freude hat Okto-Pressesprecherin Renate Billeth zum Interview gebeten.
Okto-Pressesprecherin Renate Billeth zieht nach fünf Jahren zufrieden (Zwischen)-Bilanz.
Leben & Freude: Was unterscheidet Okto von anderen Fernsehsendern?
Renate Billeth: Wir sind ein Sender, bei dem jede und jeder mitmachen kann. Derzeit gestalten bei uns rund 500 Wienerinnen und Wiener Sendungen. Und so vielfältig wie die Produzentinnen und Produzenten sind auch ihre Themen. Okto versteht sich als Ergänzung zum öffentlich-rechtlichen und privat-kommerziellen Fernsehen. Wir haben keine Quotenvorgaben und senden vor allem Nischenprogramme.
Wie kann man Okto empfangen?
Okto kann österreichweit via aonTV (Programmplatz 34) und UPC Telekabel (Kanal 8) empfangen werden. Außerdem überträgt Okto das gesamte Programm auch im Internet. (www.okto.tv/empfang)
Wer macht für Okto Programm?
Grundsätzlich kann bei uns jede und jeder Programm machen. Neben Einzelpersonen nützen auch viele Organisationen oder Vereine wie Jugendzentren, die Wiener Aids Hilfe oder die Lokale Agenda 21 die Chance, ihre Anliegen in Form einer regelmäßigen Fernsehsendung den Bürgerinnen und Bürgern näherzubringen. Die Sendungsmacherinnen und -macher arbeiten ehrenamtlich, sie bekommen aber die gesamte technische Ausrüstung sowie einen fixen Programmplatz unentgeltlich zur Verfügung gestellt.
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat Okto?
Der Sender hat insgesamt 23 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den laufenden Betrieb abwickeln und auch Anlaufstelle für unsere Produzentinnen und Produzenten sind. Okto hat zudem spannende Eigenproduktionen zu bieten, etwa das Filmmagazin „Oktoskop“. Hier zeigen wir jeden Sonntag Filme, die bei unserer Konkurrenz nicht laufen, und bringen dazu Hintergrundinformationen und Interviews mit dem Filmemacher oder der Filmemacherin. Für „Oktoskop“ haben wir übrigens 2006 den Österreichischen Fernsehpreis der Erwachsenenbildung bekommen.
Wie finanziert sich Okto?
Wir verfügen über ein Budget von 1,2 Millionen jährlich, wovon der Löwenanteill von 980.000 Euro von der Stadt Wien gestellt wir. Der restliche Teil unseres Budgets stammt vom Bund sowie aus Einnahmen unserer Aus- und Weiterbildungsangebote.
Wie wird man Programmgestalterin bzw. Programmgestalter bei Okto?
Das ist sehr einfach. Wer eine Idee zu einer regelmäßigen Fernsehsendung hat, besucht einen unserer kostenlosen Infoabende, wo alle weiteren Schritte auf dem Weg zur eigenen Sendung erklärt werden. Infos und Termine findet man auf unserer Homepage auf www.okto.tv/ausbildung.
Programmmacherinnen und -macher bei Okto bekommen für ihre Sendereihe einen fixen Sendeplatz. Sie sollten also in der Lage sein, zumindest ein Mal im Monat eine Sendung zu produzieren. Von der Idee über das Konzept bis zur Umsetzung – also das Drehen, das Schneiden des Filmmaterials, die Moderation etc. – gestalten die Produzentinnen und Produzenten ihre Sendungen selbst.
Deshalb ist es sicherlich sinnvoll, wenn sich drei bis vier Personen finden, die sich die Arbeit aufteilen können. Vielleicht ein Tipp für Menschen, die gerne mitmachen möchten, es sich aber nicht zutrauen, alleine eine Sendung zu gestalten: Fragen Sie bei Sendungen, die Sie interessieren, nach, ob diese nicht Unterstützung brauchen.
Wie schaffen Laiinnen bzw. Laien die technische Seite einer Fernsehproduktion? Welche Vorkenntnisse sind nötig, welche Ausrüstung braucht man?
Grundsätzlich sind keinerlei Vorkenntnisse nötig. Wie bieten ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsprogramm, bei dem „neue“ Produzentinnen und Produzenten das Fernsehmachen lernen können. Wir machen sie mit journalistischen und medienrechtlichen Grundfragen ebenso vertraut wie mit unseren Fernsehkameras, den digitalen Schnittplätzen und dem TV-Studio. Die Kurse sind sehr günstig und für jede bzw. jeden leistbar. Eine eigene technische Ausrüstung braucht man keine. Alles was nötig ist, von der Kamera über ein Studio bis hin zu den Schnittplätzen usw., stellt Okto kostenfrei zur Verfügung. Aber auch wer keine eigene Sendung machen möchte, kann die Okto-Workshops besuchen.
Inhaltlich sind die Macherinnen und Macher völlig frei?
Okto mischt sich inhaltlich nicht in die einzelnen Produktionen ein. Jede Sendung wird allerdings vor der Ausstrahlung geprüft, ob sie dem eingereichten Konzept entspricht, keine Verstöße gegen das Medien- und Urheberrecht oder unsere Senderrichtlinien vorliegen. Wir fühlen uns als Sender den Grundwerten der Menschenrechte verpflichtet. Wer hier Programm macht, muss diese Werte ebenso respektieren. Wichtig ist, dass man eine Idee hat, ein Anliegen, dem man mit der Sendung eine Öffentlichkeit geben möchte. Da kann es um Wissenschaft ebenso gehen wie um Literatur, das Leben in einem Pensionisten-Wohnhaus oder um Haustiere. Sendungen, in denen Menschen vorgeführt oder beleidigt werden, lehnen wir ab.
Okto feiert heuer seinen fünften Geburtstag. Wie sieht Ihr Resümee aus?
Wir sind sehr zufrieden damit, wie sich Okto entwickelt hat. Vor fünf Jahren haben wir mit 40 Sendereihen begonnen. Derzeit stehen wir bei über 100 regelmäßigen Sendungen, die auf Okto gezeigt werden. Und wir haben immer mehr Stammseherinnen und Stammseher, die unser abwechslungsreiches Programm zu schätzen wissen. 230.000 Menschen schauen regelmäßig Okto.