Eine Stadt als Hauptdarstellerin
Die Filmstadt Wien hat eine lange Geschichte vorzuweisen: Für zahlreiche
nationale und internationale Produktionen bot sie bereits die perfekte Kulisse. Ob imaginär oder wirklich – hier wurden Filmträume wahr.
"Der Dritte Mann" ist einer der berühmtesten Filme, die in Wien gedreht wurden.
Ob in „Before Sunrise“ mit Hollywood-Beau Ethan Hawke oder in Orson Welles’ „Der Dritte Mann“: Wien hat auf der Weltkarte des Kinos neben Paris, Berlin oder New York einen festen Platz. Mit den Vorzügen kaiserliches Wien, Walzerseligkeit und kleinbürgerliche Idylle konnte man in der Vergangenheit große Filmgeschichten erzählen. Eingebettet wurden diese meist in den Mythos Wiens als Stadt der Liebe und der Musik.
Urbane Landschaft
Im Kalten Krieg war die Trümmerstadt Schauplatz düsterer Spionagethriller. Seit 1970 kam Wien als disparate urbane Landschaft neu ins Blickfeld.
Aktuell sind „Jud Süß“ mit Moritz Bleibtreu, „Mahler auf der Couch“ mit Karl Markovics und der „Tollywood“-Hit „Namo Venkatesa“ als Erfolge hervorzuheben.
Alexander Horwath, Direktor des Filmmuseums: „In internationalen Filmen wird Wien bis heute meistens als ‚historische‘ Kulisse genutzt. Das Wien des 18. oder 19. Jahrhunderts ist immer noch das prägende Image der Stadt im Ausland. Österreichische Filme haben seit den 70er-Jahren aber auch ganz andere Seiten der Stadt beleuchtet: das vorstädtische Wien der „Gstätten“ und Gemeindebauten, das von U-Bahn, Schnellbahn, Straßenbahn durchzogene moderne Wien samt Flaktürmen, Einkaufszentren, Szenelokalen.“
Drehort gesucht?
Um im Drehbuch vorgesehene Orte wie die Staatsoper, das AKH oder den Burggarten als Kulisse in einer Produktion verwenden zu dürfen, muss zuerst eine Drehgenehmigung eingeholt werden. Die Vienna Film Commission ist dafür seit zwei Jahren die zentrale Service- und Anlaufstelle für Filmschaffende in Wien. Mit einem Jahresetat von knapp 500.000 Euro unterstützt sie Dreharbeiten nationaler und internationaler Filmproduktionen in Wien. Im letzten Jahr wurden mehr als 400 Ansuchen eingereicht. Bei rund 80 Prozent aller Filmproduktionen in Wien war die Kommission involviert.
„Die Vienna Film Commission hilft bei der Suche nach geeigneten Motiven und Servicepartnern in der Branche“, so Geschäftsführerin Marijana Stoisits. Am häufigsten wird in der Innenstadt gedreht. Ebenso zählen die Bewerbung Wiens als Dreh- und Produktionsstandort sowie die Werbung für den Film in Wien über die Grenzen hinaus zu den Hauptaufgaben. Der Service der Vienna Film Commission steht für Spielfilme, Dokumentarfilme, StudentInnenfilme und Werbungen kostenlos zur Verfügung.
Klappe, Film ab!
Doch nicht nur an öffentlichen Plätzen der Stadt wird fleißig gedreht. Die „Filmstadt Wien“, ein Studiokomplex am Rosenhügel, ist seit den 1920er-Jahren Drehort für viele österreichische TV- und Kinoproduktionen. Sechs Bühnen umfasst das rund 30.000 Quadratmeter große Gelände.
Hier entstanden Klassiker des heimischen Kinos wie Franz Antels „Der Bockerer“ und „Die Klavierspielerin“ von Michael Haneke sowie zahlreiche Filme mit Willi Forst, Paul Hörbiger und Hans Moser. Auch der Kinofilm „Kottan ermittelt – Rien ne va plus“ und die beliebte Krimiserie „Schnell ermittelt“ wurden in „Klein-Hollywood“ Wiens produziert.