Ein Garten ist viel Arbeit
Keinen eigenen Garten und damit keine Möglichkeit Gemüse selbst anzubauen? Eine Alternative sind Gemüseparzellen zum Mieten. Zum Beispiel vom Bio-Zentrum Lobau (MA 49). Leben & Freude hat mit Gutsleiter Karl Mayer gesprochen.
Leben & Freude: Wie viele Parzellen gibt es und wie groß sind die Parzellen?
Karl Mayer: Es gibt 160 Parzellen zu je 80 m2. Diese liegen an der Esslinger Hauptstraße im 22. Bezirk.
Wie funktioniert die Bebauung? Kann jeder nach eigenem Gutdünken anpflanzen?
Die Parzellen werden im Mai übergeben. Dabei werden die Pächterinnen und Pächter eingewiesen. Die Parzellen sind bereits bestellt. Sie sind gut biologisch gedüngt, Pflanzensamen sind gesät bzw. Pflänzchen sind angepflanzt. Sobald diese abgeerntet sind, kann jeder anpflanzen, was er oder sie will. Dabei müssen allerdings bestimmte Richtlinien eingehalten werden.
Welche sind das? Was darf angebaut werden, was nicht?
Wir sind ein Biobetrieb, deshalb darf nur biologisches Saatgut angepflanzt werden.. Erdäpfel sind zum Beispiel verboten, weil sie Schädlinge wie den Kartoffelkäfer anziehen, der dann auch die Nachbarparzellen befallen kann. Aber auch Pflanzen, die stark wuchern, dürfen nicht gepflanzt werden. Ein Beispiel dafür ist Topinambur. Wenn im Herbst nicht alle Knollen aus dem Boden geholt werden, treibt er wieder aus und überwuchert im nächsten Jahr alle anderen Pflanzen.
Welche Gemüsesorten sind auf der Parzelle angepflanzt?
Es sind Karotten, Erbsen, Porree, Petersilie, Kohl, Kraut, Radieschen, Bohnen, Spinat, verschiedene Paradeisersorten, Zucchini, Zwiebel, Kohlrabi, Zeller und Salat angepflanzt.
Werden die Gemüsebäuerinnen und -bauern irgendwie unterstützt? Oder sind sie sich selbst überlassen?
Bei der Übergabe der Parzellen werden die Pächterinnen und Pächter eingewiesen. Dann sind sie mehr oder weniger sich selbst überlassen. Wenn es gröbere Probleme gibt, stehe ich natürlich als Ansprechpartner zur Verfügung. Da ich einen großen Bio-Betrieb führe, kann ich mich natürlich nicht darum kümmern, wenn ein Haserl ein Pflanzerl frisst. Ich mache aber regelmäßige Kontrollgänge und schaue, ob alles passt. Ich frage auch nach, wenn ich bemerke, dass eine Parzelle sehr ungepflegt ist. Ein Garten ist schon viel Arbeit. Es muss regelmäßig Unkraut gejätet werden. Manche sind damit überfordert. Manchmal kann es aber auch aus persönlichen Gründen, wie eine Krankheit, dazu kommen, dass der Garten nicht mehr gepflegt werden kann. Betonen möchte ich aber auch, dass unter den Gärtnerinnen und Gärtnern ein großer Zusammenhalt und Austausch besteht. Viele mieten bereits seit Jahren eine Parzelle und sind quasi „Profis“. Sie geben Anfängerinnen und Anfängern gerne Tipps.
Wie viel Aufwand ist es, eine Parzelle zu betreuen? Wie oft muss gegossen und gedüngt werden?
Wir gießen zwei Mal die Woche, das ist ausreichend. Es muss nicht zusätzlich gegossen werden. Eine Ausnahme ist vielleicht, wenn jemand an einem Tag, an dem nicht gegossen wird, kleine Pflänzchen setzt. Damit sie gedeihen, sollten diese „angegossen“ werden. Dazu stehen auf dem Feld Wassertanks zur Verfügung. Düngen ist nicht nötig. Wir übergeben eine gedüngte Parzelle. Manche Gärtnerinnen und Gärtner haben es aber gern, wenn sie selbst düngen können. Deshalb stehen auch biologische Düngemittel zur Verfügung.
Wie hoch sind die Kosten?
Die Pacht beträgt 105 Euro für eine Gartensaison. Darin inkludiert sind die bepflanzte Parzelle und zwei Mal in der Woche gießen. Die Kosten für etwaige Nachpflanzungen müssen selbst getragen werden. Werkzeug, Gießkannen oder sonstige Gartengeräte müssen selbst mitgebracht werden. Neben der Parzelle steht eine Hütte, diese kann als Unterstand bei Regen verwendet werden. Es gibt auch eine Pinnwand, mit deren Hilfe die Pächterinnen und Pächter Infos austauschen können – zum Beispiel zum Pflanzentausch. Das wird auch rege genützt.
Wie lange dauert die Gartensaison?
Wir starten Anfang Mai. Ende Oktober, mit Einsetzen der ersten Fröste, werden die Parzellen wieder in die Verwaltung des Bio-Zentrum Lobau zurückgegeben. Die Ackerfläche wird dann für das nächste Jahr vorbereitet.
Wie läuft die Vergabe ab? Wann muss man sich für eine Parzelle anmelden?
Wer eine Ökoparzelle pachten möchte, kann sich ab November beim Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien schriftlich anmelden. Entweder per Brief an MA 49-Landwirtschaftsbetrieb, Vordere Zollamtsstraße 11, 1030 Wien oder per E-Mail an lb@ma49.wien.gv.at. Die Vergabe erfolgt nach der Reihenfolge der Anmeldung. Die Parzellen werden nicht automatisch verlängert, jeder muss sich jedes Jahr neu anmelden – so haben auch „neue“ Pächterinnen und Pächter die gleiche Chance auf eine der begehrten Parzellen!