Wiens Spitäler: „Auch 2030 Weltspitze“
Wiens Spitalswesen wird reformiert, damit sich die WienerInnen auch in Zukunft auf eines der besten Gesundheitssysteme verlassen können. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely im Interview über das Wiener Spitalssystem, Modernisierungen und Effizienz.
Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely im Interview mit Leben&Freude.
Leben & Freude: Was sind die Gründe für die Reformen bei den Wiener Spitälern?
Sonja Wehsely: Wir alle wissen, dass die Finanzierung des Gesundheitssystems eine große Herausforderung ist. Mit unseren Ideen und Reformen für das Spitalswesen, dem Spitalskonzept 2030, stellen wir sicher, dass die Gesundheitsversorgung in Wien Weltspitze bleibt. Wir werden dabei nicht, wie in Deutschland, auf Privatisierung setzen. Wir belassen die Gemeindespitäler in bewährter Weise im Eigentum der Stadt Wien und modernisieren sie. Aber die Kosten müssen im Rahmen gehalten werden.
Was sind die Eckpunkte des Konzepts?
Um die Qualität trotz stärkeren Kostenbewusstseins zu verbessern, wird es bis 2030 in Wien sieben Spitäler geben: Das werden das Krankenhaus Hietzing, das Kaiser-Franz-Josef-Spital, das gemeinsam geführte Wilhelminen- und Otto-Wagner-Spital, die Rudolfstiftung, das Krankenhaus Nord, das Donauspital und das AKH sein. Die Angebote dieser Häuser des Wiener Krankenanstaltenverbundes werden einander ergänzen.
Wo wird es welche Angebote geben?
Die Spitäler bekommen ganz klare medizinische Schwerpunkte: So wird die Chirurgie vom Kaiserin-Elisabeth-Spital in die Rudolfstiftung übersiedeln. Das Kaiserin-Elisabeth-Spital wird bis 2015/16 ein Pflegewohnhaus, in das auch die Pflege aus dem Sophienspital übersiedeln wird. Die Akutgeriatrie des Sophienspitals wird im Wilhelminenspital weitergeführt. Durch die Zusammenlegung sparen wir jährlich 28 Millionen Euro an Betriebskosten. Bis 2030 werden das Wilhelminenspital und das Krankenhaus Hietzing umgebaut. Das Krankenhaus Hietzing erhält künftig einen neuen Schwerpunkt, der sich an den Bedürfnissen einer immer älter werdenden Gesellschaft orientiert: Es wird zu einer hochmodernen Klinik für die Volkskrankheiten Schlaganfall, Diabetes und Rheuma mit multidisziplinärem chirurgischen Zentrum ausgebaut.
Welche Veränderungen gibt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Die hervorragenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter garantieren mit den modernsten Einrichtungen rund um die Uhr beste medizinische Versorgung der Wienerinnen und Wiener. Und weil die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Herz der Wiener Spitäler sind, setzen wir massiv auf interne Kommunikationsmaßnahmen, damit sie aus erster Hand informiert werden. Wenn es um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geht, sind insbesondere die Führungskräfte auf allen Ebenen gefordert. Arbeitszeiten, aber auch Gesundheitsförderung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind dabei zentrale Themen, ebenso gegenseitige Wertschätzung.
Was ist noch geplant?
Zentral für die Zufriedenheit der Patientinnen und Patienten sowie der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Thema Qualitätsarbeit. Transparenz in Sachen Qualität bietet für die Patientinnen und Patienten sowie für deren Angehörige eine wesentliche Orientierungsgrundlage. Der KAV hat rund 50 Indikatoren zur Messung von Ergebnisqualität erarbeitet, anhand derer seit heuer die medizinische und pflegerische Ergebnisqualität dargestellt werden kann. Nur so sind wir gewappnet gegen die Lobbyingarbeit verschiedenster Interessengruppen, die uns und der Bevölkerung einreden wollen, dass die öffentliche Gesundheitsversorgung ein Qualitätsproblem hat. Wenn wir Ergebnisqualität messen, wissen wir, wovon wir sprechen, und können mit guten Gründen stolz auf unsere Leistung sein. Weitere Punkte sind mehr Eigenständigkeit der Häuser und stärkere Kontrolle der Kosten. Durch zusätzliche Tages- und Wochenkliniken werden weniger stationäre Betten nötig sein.
Welche Vorteile haben diese Tages- und Wochenkliniken?
Immer mehr Operationen sind ohne bzw. mit kurzer stationärer Aufnahme möglich. Deshalb wurde zum Beispiel die Augenabteilung im Krankenhaus Hietzing in eine Tages- und Wochenklinik umgewandelt. Die Schaffung von Tages- und Wochenkliniken und die Verkürzung der Verweildauer von Patientinnen und Patienten im stationären Bereich ermöglichen die Reduktion von stationären Betten. Das bringt viele Vorteile für die Patientinnen und Patienten sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Wartezeiten auf einen Operationstermin werden verkürzt, die Behandlungen können schneller durchgeführt werden. Patientinnen und Patienten sowie Spitalsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter können das Wochenende zu Hause bei ihren Familien verbringen.