Leben und Freude – Der Titel ist Programm
Claudia Schmid ist seit 2004 Leiterin der Kindergruppe Purz’lbaum. Sie ist davon überzeugt, dass die älteren Menschen den Kindern gut tun.
Leben & Freude: Wie profitieren die Kinder von den älteren Menschen?
Claudia Schmid: Ein Beispiel ist der Morgenkreis. Die Kinder sind oft unruhig, aufgeregt – aber die Ruhe der Bewohnerinnen und Bewohner geht auf die Kinder über. Die Mädchen und Buben lernen auch viel in puncto sozialer Kompetenz. Sei es, dass sie jeden Morgen höflich grüßen, Rücksicht nehmen oder andere respektieren. Diese Zeit ist eine prägende Phase.
Sie machen auch Besuche bei den Bewohnerinnen und Bewohnern. Kommen die Kinder einfach vorbei?
Wir fragen die Kinder, ob sie mitkommen wollen, und besuchen Seniorinnen und Senioren in der Aula, auf den Gängen oder in den Aufenthaltsräumen, aber nicht in den Appartements, um die Privatsphäre nicht zu stören. Die Kinder sind immer willkommen. Wir gehen auch in die stationären Bereiche. Oft bringen die Kinder Grüße von draußen mit – Blumen, Kastanien. Sie bringen „das Leben von draußen“ ins Haus Hetzendorf herein.
Es gibt auch gemeinsame Feste …
Ja, zu unserem Sommerfest sind alle eingeladen, Bewohnerinnen und Bewohner, Kinder, ihre Eltern und Geschwister. Mehr als 500 Leute sind dabei. Auch ehemalige Kindergruppenkinder kommen wieder. Da ist die Freude natürlich groß.
Wie kommen die Mitarbeiterinnen der Kindergruppe mit den älteren Gästen zurecht?
Sie werden schon beim Bewerbungsgespräch gefragt, ob sie mit Kindern sowie Seniorinnen und Senioren arbeiten möchten. Ihre Rolle ist verbindend und vermittelnd. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Kind am Anfang etwas schüchtern ist und die Bewohnerin oder der Bewohner zu rasch auf das Kind zugeht. Dann vermitteln die Betreuerinnen. In der Montessori-, Bastel- und Turngruppe müssen sie passende Spiele und Übungen für Kinder und Seniorinnen bzw. Senioren auswählen. Es sind viele Punkte, die es zu beachten gilt, doch nur so ergibt sich ein respektvolles Miteinander.